Als Ernest Shackleton im August 1914 mit der Endurance aus Plymouth auslief, hatte in Europa gerade der Erste Weltkrieg begonnen. Sein Ziel war es, als Erster den Antarktiskontinent zu durchqueren, vom Weddellmeer über den Südpol bis zum Rossmeer, eine Strecke von rund 2.900 Kilometern. Die Endurance war ein hölzerner Dreimaster, in Norwegen gebaut und für Fahrten im Eis verstärkt. Shackleton galt als erfahrener Polarforscher; 1909 war er dem Südpol bis auf knapp 180 Kilometer nahegekommen. An Bord befanden sich 28 Mann, unter ihnen Kapitän Frank Worsley, Shackletons Stellvertreter Frank Wild und der Fotograf Frank Hurley.
Nach Zwischenstopps in Buenos Aires und auf Südgeorgien verließ das Schiff im Dezember 1914 die letzte Walfangstation und nahm Kurs ins Weddellmeer. Das Packeis war in diesem Sommer ungewöhnlich dicht, und die Endurance kam nur langsam voran. Im Januar 1915 schloss das Eis sie schließlich ein, etwa 150 bis 160 Kilometer vor dem geplanten Landeplatz. Die Männer richteten sich auf einen Winter an Bord ein und ließen sich mit dem Eis treiben.
Monatelang driftete das Schiff mit den Schollen nach Norden, während die Besatzung Hunde trainierte, Vorräte einteilte und sich mit Fußballspielen auf dem Eis beschäftigte. Shackleton hielt feste Tagesabläufe für wichtig, damit niemand untätig blieb. Im Oktober 1915 presste das Eis den Rumpf zusammen, Wasser drang ein, und Shackleton ließ das Schiff räumen. Am 21. November 1915 versank die Endurance. Für die Männer war damit auch die Aussicht auf eine Durchquerung des Kontinents beendet.
Sie lebten nun in Zelten auf einer Eisscholle, bei Temperaturen von zeitweise etwa minus 30 Grad Celsius, mit drei Rettungsbooten, Schlitten und den nötigsten Vorräten. Ein Marsch über das zerklüftete Eis erwies sich als aussichtslos, weil sie die Boote kaum über die Presseisrücken ziehen konnten. So ließen sie sich weiter nach Norden treiben und ernährten sich von Robben und Pinguinen. Mehrere Hunde mussten getötet werden, um Nahrung zu sparen.
Im April 1916 brach die Scholle auf, und die Männer setzten in den drei Booten über. Diese waren nur wenige Meter lang und lagen tief im Wasser, sodass ständig geschöpft werden musste. Nach sieben Tagen auf offener See, in Kälte, Nässe und Sturm, erreichten sie am 15. April 1916 Elephant Island, eine unbewohnte, von Gletschern bedeckte Insel. Erstmals seit mehr als einem Jahr standen sie wieder auf festem Boden. Doch die Insel lag abseits aller Schifffahrtsrouten, und niemand würde dort nach ihnen suchen.
Shackleton entschied, Hilfe zu holen. Mit fünf Begleitern stach er am 24. April 1916 im umgebauten Rettungsboot James Caird in See, das der Zimmermann Harry McNish mit einem Notdeck aus Holz- und Segeltuchresten versehen hatte. Ziel war Südgeorgien, rund 1.300 Kilometer entfernt. Nach 16 Tagen in schwerer See erreichte das kleine Boot die Insel, landete aber an ihrer unbewohnten Südseite. Shackleton, Worsley und Tom Crean überquerten das Gebirge im Inselinneren in rund 36 Stunden zu Fuß und erreichten die Walfangstation Stromness.
Die Rettung der 22 Zurückgebliebenen gelang erst im vierten Anlauf, denn drei Versuche scheiterten am Packeis. Am 30. August 1916 erreichte der chilenische Schlepper Yelcho Elephant Island, und alle 22 Männer unter Frank Wild gingen an Bord. Sie hatten die Monate zuvor unter umgedrehten Booten gehaust und von Robben und Pinguinen gelebt. Von der Besatzung der Endurance war kein Einziger gestorben. Die Nachricht von der geglückten Rettung erreichte Europa mitten im Krieg.
Mehr als hundert Jahre später, im März 2022, entdeckte ein Suchteam das Wrack der Endurance in 3.008 Metern Tiefe im Weddellmeer. Warum es so gut erhalten blieb, ist nicht abschließend geklärt; die Kälte und das Fehlen holzzerstörender Bohrmuscheln gelten als Erklärung. Ob man die Expedition als Scheitern oder als Triumph der Führung bewerten sollte, wird unterschiedlich gesehen, denn das Ziel der Durchquerung wurde verfehlt. Von der Ausfahrt aus Plymouth im August 1914 bis zur Rettung im August 1916 vergingen gut zwei Jahre, und alle 28 Männer überlebten.